01.05.2016 Alfter. VfL Alfter trennt sich nach der 0:2-Niederlage gegen den TSC Euskirchen überraschend vom Trainer. Über die Beweggründe wollte sich Vorsitzender Uwe Emons nicht detailliert äußern.

Paukenschlag beim Fußball-Mittelrheinligisten VfL Alfter: Keine 24 Stunden nach der 0:2 (0:1)-Heimniederlage gegen den TSC Euskirchen entließen die Vorgebirgler ihren Trainer Heinz-Joachim Schmickler, der erst vor einigen Monaten seinen Vertrag um eine weitere Saison verlängert hatte. Schmickler hatte den VfL in der Winterpause der vergangenen Spielzeit in einer schwierigen Phase übernommen und das Team ins obere Tabellendrittel geführt. In der laufenden Saison kämpft der VfL hinter dem Bonner SC um die Vizemeisterschaft. Sportliche Gründen hat die völlig überraschende Entscheidung daher wohl keine.

VfL-Vorsitzender Uwe Emons versuchte einen – eher nebulösen – Erklärungsversuch: „Ich muss die Gesamtinteressen des Vereins sehen. Über die Hintergründe werde ich mich allerdings nicht näher äußern.“ Auf Trainer Schmickler lässt Emons jedoch nichts kommen. „Ohne ihn wären wir mit Sicherheit nicht da, wo wir jetzt sind. Er ist ein ehrlicher, gradliniger Trainer“, sagte der VfL-Vorsitzende. Vielleicht kosteten gerade diese Tugenden Heinz-Joachim Schmickler den Job. Schmickler selbst reagierte völlig überrascht: „Ich wollte gerade zur Spielbeobachtung fahren, als mich der Anruf von Uwe Emons erreichte. Ich bin völlig verwundert und verstehe es beim besten Willen nicht, aber ich muss die Freistellung respektieren“, sagte Schmickler.

Erste Risse bekam das Mannschaftsgebilde, als bekannt wurde, dass der Verein auf einen damals noch möglichen Regionalligaaufstieg verzichtete. Eine aufgrund der hohen Verbandsauflagen nachvollziehbare Entscheidung. Als zuletzt zwar die Leistungen. aber die Ergebnisse nicht mehr stimmten, setzte sich eine Spirale in Gang: Unzufriedene Spieler, unzufriedener Trainer, nachlassende Trainingsintensität, fehlende Punkte. Ein Zerwürfnis mit der Mannschaft wird von Schmickler indes energisch dementiert. Er räumt lediglich punktuelle Probleme mit wenigen Spielern ein. „Mein Credo lautet: Mannschaftliche Geschlossenheit steht immer über Einzelinteressen. Dass dann einige Spieler unzufrieden sind, ist normal.“

Fakt ist allerdings, dass Schmickler, der sich ursprünglich heute Abend mit dem Vorstand zusammensetzen wollte, um die Planungen für die kommende Spielzeit sowie den Umgang mit wechselwilligen Spielern zu erörtern, zuletzt nicht mehr uneingeschränkt mit der Haltung des Vorstands zufrieden war. Schmickler forderte eine klare Linie und klare Entscheidungen bei der Frage: „Wer soll gehen, wer soll bleiben?“

Einige Personalien sind indes bereits gefallen: Torwart Tim Rudersdorf wechselt zum Ligakonkurrenten FC Hennef. Der dienstälteste Akteur Mateusz Matysik hört aus privaten und beruflichen Gründen zum Saisonende auf. Thorsten Bung beendet seine Laufbahn. Die Mittelfeldspieler Cenk Durgun und Mohamed Dahas tragen sich mit dem Gedanken, den Verein zu verlassen. Das Gros der Mannschaft allerdings hatte sich vor dem Samstagsspiel gegen Euskirchen zum VfL bekannt. Darunter auch der 24-fache Torschütze Bayram Ilk.

Ach ja, Fußball gespielt wurde auch noch: Die Alfterer trafen am Sonnabend auf einen Gegner, der gut organisiert war und zielorientierter agierte als die Vorgebirgself. Ausgerechnet das Verletzungspech des Euskircheners Patrick Hill, der nach 20 Minuten ausgewechselt werden musste, brachte dem TSC den entscheidenden Impuls. Sein „Ersatz“ Thomas Leßenich avancierte mit zwei Treffern zum überragenden Akteur auf dem Platz (35./46.). Im Bemühen, den Anschlusstreffer zu erzielen, kam der VfL nach der Pause nur zu zwei konkreten Möglichkeiten, als Kopfbälle von Bayram Ilk und Julian Krebel (76./81.) das Ziel knapp verfehlten.

VfL Alfter: Kraus, Matysik (66. Mehmeti), Derigs (76. Krebel), Liontos, Heinen, Durgun, Schmitz (66. Bung), Greulich, Dahas, Dogan, Ilk. (Ludovic Bürling)